„Hommage anThomas Bernhard - „Der AufReger“


„Hommage an Thomas Bernhard - Der AufReger"


Thomas Bernhard, Autor von absurd grotesken Romanen und Theaterstücke über scheiternde Existenzen einer maroden Gesellschaft, betritt in meinen Arbeiten die Bühne.

Er taucht auf, teils nur fragmentarisch, nimmt Platz als Voyeur, Kritiker, Ausbesserer, Einflüsterer - steht da wie ein Antreiber, Schlächter, Dompteur oder Marionettenspieler, der die Fäden zieht. Mit ihm tummeln sich skurrile Figuren, die seine Rollen, seine Mitteilungen verkörpern. Seine Figur, sein Konterfei schlüpft in diese Figuren, beseelt diese mit seinem Geist und seinem Wollen und lässt in Selbstherrlichkeit "die Puppen tanzen".

Er reflektiert, argumentiert, kritisiert, zerfetzt, zerfleischt, macht mies und Mut.


Die Arbeit „Handpuppe und Kaktus“ | 2015 | Acryl auf Leinen | 100 x 140 cm, zeigt im Vordergrund eine Handpuppe und einen Kaktus mit einer weißen Blume, im Hintergrund den jungen Thomas Bernhard. Dazwischen befindet sich ein Netz aus Menschenfiguren und ein Streifen in Rot-Weiß-Rot.

Die Handpuppe steht als Symbol für Rollenzuweisung, der Kaktus für Bernhards Spitzfindigkeit und die „Stacheln im kollektiven Fleisch der Nation“. Die weiße, unfertige Blume hingegen verweist auf Thomas Bernhards Widersprüchlichkeit und Selbstkritik. Eingefangen in das Netz sind deutlich erkennbare Figuren, einige in Rot.

Sie ärgern sich!

Sie sind bei Bernhard schlecht ausgestiegen!

„Meine Existenz hat zeitlebens immer gestört. Ich habe immer gestört und ich habe immer irritiert.

Alles, was ich schreibe, alles, was ich tue, ist Störung und Irritierung. Mein ganzes Leben als Existenz ist nichts anderes als ununterbrochenes Stören und Irritieren.“

(Aus Der Keller, 1976)



Begonnen hat meine Beschäftigung mit dem Werk und der Person von Thomas Bernhard im Oktober 2009 anlässlich eines einmonatigen Arbeitsaufenthaltes im Atelier des Landes Oberösterreich in Gmunden in der Villa Stonborough-Wittgenstein in der auch das Thomas Bernhard - Archiv untergebracht war. Die Möglichkeit in unmittelbarer Nähe im Archiv zu schmökern und die mit Begeisterung geführte, interessante Einführung durch Dr. Bernhard Judex gaben den Anlass zur künstlerischen Umsetzung.

Ich malte dort aufgrund von Abbildungen Thomas Bernhard in verschiedenen Posen. Seine Haltung beim Lesen, beim Gehen und beim Fahrradfahren oder wie er mit einem Buch in der Hand durch seinen Hof geht.


Nach dem Atelieraufenthalt führte ich die Arbeit fort und erweiterte das Thema.

Nahm Kontakt mit verschiedenen Fotoautoren auf und fragte um die Genehmigung zur Verwendung und Veränderung ihrer Fotografien.

Ich druckte Fotos auf ein geeignetes Papier und veränderte die Abbildung durch Zeichnung und Malerei und erreichte dadurch eine andere Aussage, einen anderen Zusammenhang.


Thomas Bernhard betritt die Bühne und agiert selbst, mit und durch!





../Home-Deutsch.html